Dezember 2010

     

Das Barossa-Vallley mit den beiden wichtigen Orten Nuriootpa und Tanduna gefielen uns sehr gut. Nicht nur der grünen und gepflegten Landschaft wegen, sondern auch weil ebendiese Orte klar europäische Wurzeln haben und dementsprechend auch alles besser unterhalten und freundlicher war als bis anhin gesehenes.
Seit Melbourne waren wir auch begeisterte 'Baumjäger', solche grosse und dementsprechend alte Exemplare muss man in Europa richtiggehend suchen!

  

In Goolwa fuhren wir ans Ende der Hindmarsh Island um dort die Mündung unseres alten Bekannten, des Murray River zu sehen. Obwohl dieser nach seiner langer Reise ein grosser Strom sein sollte, sieht er in seinen letzten Kilometern recht armselig aus. Die Bewässerung der immensen Feldanlagen der Landwirtschaft und immer trockenere Jahre fordern ihren Tribut. Aus ebendiesem Grund muss der Murray Mouth jedes Jahr ausgebaggert werden, da keine Strömung mehr den Sand ins Meer schiebt und die Mündung verlandet.

  

Vor Victor Harbour liegt die Encounter Bay, die ihren Namen durch die Begegnung eines englischen Schiffes unter Kapitän Matthew Flinders mit einem französischen Schiff unter Kapitän Baudin im Jahre 1802 erhielt. Obwohl in Europa die beiden Länder zu dieser Zeit gegeneinander einen heftigen Krieg führten, waren die beiden Kapitäne klüger und einigten sich, ihre Forschungsarbeiten friedlich nebeneinander fortzuführen.

Heute können die Touristen an ebendiesem Ort mit einem Pferdetram über eine ca.900m lange Holzbrücke auf die Pinguininsel Granite Island gelangen.

Auf der Fleurieu Peninsula fuhren wir bis Cape Jervis, wo die Fähre auf die bekannte Kangoroo Insel ablegt. Diese wollten wir jedoch nicht besuchen, sondern wendeten uns wieder nordwärts der Küste entlang über Yankalilla und Myponga in Richtung Adelaide.

  

Am Ende des ersten richtig heissen Tages fanden wir nach längerer Suche in McLaren Vale einen schattigen Campingplatz und freuten uns über die Tauben im Punker-look!

  

Die letzten Tage mit 'unserem' Campervan verbrachten wir in Glenelg, einer Beach-Town von Adelaide, von Teenies nur so überlaufen, vor allem jetzt, knapp vor den grossen Schulferien!
Gleich vor dem Campingplatz hält der Bus, der in die Innenstadt von Adelaide fährt und Glenelg hat ein direktes Tram, welches für die Strecke Stadt-Beach nur knapp 20 Minuten braucht. Für weitere Stadterkundungen also ideal gelegen...

     

Adelaide selbst hat nicht allzuviel Prägnantes zu bieten. Im nördlichen Teil fanden wir wieder wunderbare riesige Bäume und schwarze Schwäne.
Der Gouverneur hatte sein Tor weihnachtlich dekoriert. Für uns war das nochmals ein Zeichen, dass es bis zu den festlichen Tagen wirklich nur noch zwei Wochen waren!

  

Am 12.Dezember checkten wir am Abend beim Indian Pacific ein. Wir wollten eine der berühmten Zugfahrten der Welt erleben. Zwei Tage lang quer durch den Kontinent bis nach Perth (gestrichelte Linie in der Karte oben). 1458 Kilometer, davon die längste schnurgerade Zugstrecke, 487 km durch die Nullarbor-Plain! 

     

Die erste Haltestelle (am nächsten Vormittag) , bei der sich die Reisenden die Füsse draussen vertreten durften, war Cook. Einst eine quirlige Service- und Belade-Station mit Schule, Spital und Pub (sehr wichtig!) für die Frachtzüge der Minengesellschaften, ist das Dorf im Niemandsland heute eine Geisterstadt mit 5 Einwohnern. Aber auch der Indian Pacific muss hier tanken und Wasser bunkern, daher gibt es einen halbstündigen Stopp bei 32 Grad im Schatten. Wenn die Feuersirene zu heulen anfängt, gilt es, wieder zum silbernen Tatzelwurm zurückzukehren!

  

Die Fahrt durch die Nullarbor-Plain zeigt eindrücklich, woher der Name dieser Gegend stammt. Kein Busch, geschweige denn Baum, weit und breit! Auch wenn die Zeit in der Red Gum Lounge recht bequem zu verbringen ist, wird einem dabei doch die unendliche Weite und die lebensfeindliche Umgebung draussen bewusst.

Kalgoorlie, die Goldminenstadt, war der nächste Stopp. Wir kamen um halb acht abends an und konnten bis viertel nach zehn 'in den Ausgang gehen'. Das nutzten wir, um in der Stadtmitte einen feinen Znacht zu essen!

  

Zum guten Glück hatten wir schon in Adelaide das Hotelzimmer in Perth reserviert, denn wir hatten nicht realisiert, dass hier in den nächsten vier Tagen DAS Cricketgame 'the Ashes' stattfinden würde! Scharen von Cricketfans waren nach Perth gekommen, um in den vier folgenden Tagen die Endausscheidung England-Australien zu verfolgen! Das WACA-Stadium mit mehr als 27'000 Plätzen war an allen Spieltagen ausverkauft!

Endlich war auch das Wetter 'Australia-like', für uns auf jeden Fall. Mit 30 Grad und einer kühlenden Brise fanden es die Einheimischen zwar immer noch zu kalt für die Jahreszeit, aber uns passte das sehr gut.

Perth war die Stadt, die uns von allen bis jetzt besuchten Städten klar am besten gefiel. Irgendwie lebenswert, mit verschiedensten Quartieren, die nie vergammelt oder billig wirkten, mit einem äusserst aktiven 'Stadtkern', vielen Grünflächen und einem schönen grossen Fluss.

Nach einem interessanten Tag im Kings Garden, dem botanischen Garten der Stadt, stand einem kühlen Bier im Brass Monkey nichts entgegen!

Nachdem wir unseren zweiten Campervan in Perth übernommen hatten, fuhren wir auf dem Highway Nr 1 nach Norden. Zwar hatten die Nachrichten am Fernsehen und in den Zeitungen von starken Regenfällen auf dieser Strecke berichtet, aber alles sah nicht so schlimm aus.

Als wir am dritten Tag die Mündung des Murchinson Rivers bei Kalbarri erreichten, war alles perfekt,... noch. Der Himmel war strahlend blau, das Meer ebenso und die Sanddünen boten den hellen Kontrast dazu. Keine Frage, hier konnten wir zum ersten Mal seit unserer Ankunft in Australien im Meer baden gehen! Einfach wunderbar!

  

Leider verfärbte sich der Fluss durch die im Hochwasser mitgeschwemmte Erde gegen Abend zusehends, und am nächsten Tag war das braune Band des einmündenden Flusses im Meer klar sichtbar!

Die berühmten Gorges im Kalbarri National Park waren durch das Hochwasser auch nicht mehr so fotogen blau-rot-grün... Und baden oder auch nur ans Flussufer gelangen kam so sowieso nicht in Frage. Schade!

Aber Murphy (oder eher Petrus?) liess uns immer noch nicht in Ruhe.
Der Pegel des Gascoyne River in Carnavon, 300km nördlicher als Kalbarri, war 7,9m über Normalstand! Das Wasser hatte viel mehr Schaden angerichtet, als irgendjemand vorhergesagt hatte. In einem Tag fiel dieselbe Menge Wasser, wie sonst innerhalb eines Jahres! Tausende Stück Vieh, hunderte von Häusern und längere Teile des Highways wurden mitgerissen. Darum wurde die Strasse bis auf weiteres geschlossen, nur noch Emergency- und Service-Fahrzeuge konnten zu bestimmten Stunden über Notwege passieren.

Also hiess das für uns, die Inlandstrecke zu fahren. Zurück nach Geraldton, dann über Mt Magnet und Meekatharra nach Norden. Und so kamen wir viel früher als geplant in den Outback!

     

Drei Tage lang fuhren wir Monsteretappen von gegen 400 km durch wüstenähnliche Gegenden bei über 40 Grad. Zwischendurch mal trafen wir einen Road-Train, auf dieser Strecke 36.5m lange Anhänger'züge', die hier 24 Stunden am Tag vor allem Erzgestein an die Küste fahren. Und sie fahren schnell. Und möchten nicht abbremsen für so einen Floh wie wir es sind. Falls einer im Rückspiegel auftaucht, zieht man lieber auf den Seitenstreifen und lässt sie vorbeidampfen,...

  

In Newman befindet sich die grösste Tagbaumine der Welt. Das riesige Loch im Boden ist 5km lang, 1,5km breit und 500m tief! Hier wird rund um die Uhr hochwertiges Eisenerz in grossen Brocken abgesprengt, von überdimensionierten Lastwagen wegtransportiert und dann in 10cm Steine zerkleinert. Diese treten dann per Roadtrain oder mit konventionellem Zügen, die dann allerdings bis zu 400 Waggons mit sich führen, die Reise an die Küste an.

Hatten wir nicht schon mal erwähnt, dass hier nichts Normalgrösse hat?

Durch den neuen Routenverlauf trafen wir auf den Karijini National Park. Da wir auch einmal in einem der kühlen Schluchtenseen baden wollten (es war bei immer noch über 40 Grad warm), stiegen wir zu den Fortescue-Fällen ab. Leider hatten auch andere die selbe Idee... Wir mögen uns gar nicht vorstellen, wie gedrängt es hier in der Hochsaison aussieht! Dank dem 'Übersehen' einer temporären Sperrung hatten wir an einem anderen Pool doch noch ein bisschen Entdecker-Stimmung. Und wurden von einer grossen Gruppe schlaftrunkener Flughunde begrüsst!

  

Ein weiterer Tag auf schnurgerader Strasse, bei hohen Temperaturen und immer neuen, skurrilen Felsformationen ging vobei...

  

... und dann konnten wir endlich in Port Hedland wieder im Sand spazieren gehen!

Als wir hörten, dass die Flatback-Schildkröten gerade in diesen Wochen an den Strand kamen, ihre Eier abzulegen, konnte uns nichts davon abhalten, um halb drei Uhr morgens aufzustehen und dies mit eigenen Augen zu sehen. Weil die Muttertiere das Meer stets bei Flut verlassen, um den Aufstieg zum Strand möglichst kurz zu halten, blieb uns keine andere Wahl, als auf den Schlaf zu verzichten. Wir hatten Glück, zwei Schildkröten arbeiteten sich genau zu dieser Zeit den Strand hoch, schaufelten kraftvoll ihre Legegruben, legten ihre Eier hinein und kehrten ins Meer zurück. Um sie dabei nicht zu stören, verzichteten wir auf Taschenlampe und Blitzlicht. Eine eindrückliche Begegnung!

Port Hedland ist das hauptsächliche Verladezentrum für das Eisenerz der grossen Minen im Landesinneren. Aber dort werden auch 2 Millionen Tonnen Meersalz in Verdunstungsbecken gewonnen und dann verschifft.

  

 Die nächste Etappe führte an die Eighty Mile Beach, (nochmals) ein Endlos-Strand, der sich uns ganz friedlich zeigte, obschon genau vor einem Jahr ein heftiger Zyklon den Campground hinter der Düne verwüstet hatte!

Endlich erreichten wir Broome, hektische Tourismusmetropole in der Hauptsaison, aber jetzt zur Wet Season, bei feuchtheissen Temperaturen, ein eher beschaulicher Ort mit vielen geschlossenen Läden und Restaurants.
Matz war begeistert, in diesem Ort, der 1910 von japanischen Perlentauchern gegründet worden war, ein lässiges Restaurant mit fast ihrem Namen finden zu können:

Die Cable Beach wurde ihrem Ruf gerecht und zeigte sich als schönster und eindrücklichster Sandstrand, den wir je gesehen haben. Obschon das Meer warm und klar zum Baden einlud, mussten wir darauf verzichten. Zu dieser Jahreszeit sind kleine Quallen häufig , die mit ihren Giftfäden den Schwimmern schmerzhafte Verbrennungen zufügen können.

An Sylvester klarte das Wetter nach einem heftigen Tropengewitter über Mittag gegen Abend auf und das Jahr verabschiedete sich, bunt wie es für uns gewesen war, in leuchtenden Farben.

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