November 2010

Wir sind wirklich 'down-under'!
Nach einer über 24-stündigen Marathonreise von St.Jean de Losne nach Sydney standen wir zwar noch etwas kopfüber und müde, aber dennoch voller Aufregung vor dem Operahouse in Sydney!

     

Wir schlenderten dem Hafen entlang, spazierten über die Harbourbridge und staunten über die quietschfarbigen Papageien, die hier wie die Spatzen herumfliegen und lautes Geschrei veranstalten!

Und wir staunten ein zweites Mal nicht schlecht, als wir einen Seelenbruder unserer Mizar trafen! Die 'Krait', ein 1934 gebautes japanisches Fischerboot, welches von den Briten im zweiten Weltkrieg konfisziert und dann für ein nächtliches Überfallkommando im Hafen von Singapur gebraucht wurde. Der Motor ist der gleiche wie derjenige der Mizar! Schade war Sonntag und daher kein Mechaniker des Museums anwesend. Das hätte ein interessantes Gespräch ergeben!

Am fünften Tag übernahmen wir unseren Campervan, einen umgebauten Toyotabus, der für unsere Zwecke ideal ist. Auf dem Princess Highway hiess es dann 'keep left' und ab Richtung Süden, der Küste entlang, nach Melbourne.

  

Da wir erst am 12. Dezember in Adelaide den berühmten Zug 'Indian Pacific' nach Perth nehmen müssen, hatten wir genug Zeit, alles in Ruhe anzuschauen, immer wieder einen Stopp einzulegen und nicht nur Kilometer fressen zu müssen. Leider war das Wetter seit unserer Ankunft nicht gerade frühlingshaft mild, sondern eher herbstlich kühl und nass. Aber das sei absolut ungewöhnlich und etwa 10 Grad zu kalt, sagten die ansässigen Aussies. Nun ja, wir werden sicherlich noch oft viel zu heiss haben...

  

Abends suchten wir uns einen schönen Campingplatz, genehmigten uns ein Ankerbier (gute Gewohnheiten sollte man nicht aufgeben...) und kochten was Gutes. Es gab auch eindrückliche Gewitterspektakel zu sehen, wie hier in Congo (nicht jener in Afrika, natürlich).

  

Auch wenn wir hier weit weg von unserer Mizar sind,  interessieren uns technische Anlagen der Jahrhundertwende (hier überall als 'historic monument' klassiert) total. Und wenn es zusätzlich noch etwas mit Schifffahrt zu tun hat natürlich sowieso!
Darum faszinierte uns die Swingbridge südlich von Sale an der Strasse nach Seaspray gelegen auch so und liess uns fast nicht mehr los. Ist aber auch ein grandioses Werk, das von einem Brückenwärter mittels einer Handkurbel auf dem Mittelpfeiler gedreht wurde. Dann konnten die angekündigten Schiffe weiter in Richtung Orbost dampfen.

Ninety-Mile-Beach. Leider konnten wir davon wegen des schlechten Wetters und der tiefliegenden Wolken auf jeder Seite nur etwa eine halbe Meile weit sehen!

  

Durch die grünen an Irland erinnernden Rolling Hills und faszinierende Orte wie Tilba Tilba, fuhren wir in den Nationalpark Wilsons Promontory. Dort befindet sich der südlichste Punkt des australischen Festlandes und schöne Wege mit exotischen Namen wie 'Lilly Pilly Gully Walk' oder 'Squeaky Beach Walk'.
In diesem Naturparadies entdeckten wir unseren ersten Wombat! Leider wurden die Beweisfotos mangels genügenden Teleobjektivs nicht so gut, dass sie hier gezeigt werden können.

     

Da wir hier noch in der Zwischensaison reisten und jeweils die offensichtlich nicht so populären Campersites ansteuerten, hatte es immer genügend Platz und wir konnten die Standplatz-Perlen herauspicken. Und dank Faserpelzjacke war auch der Zmorge an der Sonne gesichert...

Für Melbourne planten wir vier Tage ein. Auch das Wetter spielte mit, denn das Wochenende bescherte Sonnenschein und damit auch die erste Wärmewelle. Die viktorianischen Villen glänzten mit den modernen Glasfassaden um die Wette!

  

Hinter der Flinders Station ragt der Eureka Tower in die Höhe. Ein Expresslift brachte uns innerhalb von 40 Sekunden ins 88. Stockwerk, welches mit den vollverglasten Wänden einen grandiosen Ausblick über Melbourne und das Umland bietet, etwas kribblige Gefühle eingeschlossen.

  

Jetzt war es aber Zeit, auch einmal echte Surfer zu sehen! Und wirklich, in Torquay tummelten sich, trotz kalter Wassertemperaturen um 15 Grad, viele Exemplare dieser Spezies am Strand! Daneben kündeten aber auch unmissverständliche Zeichen die Weihnachtszeit an - das Rentier in Pink mit Kerzen auf dem Geweih im Schaufenster einer In-Boutique war unübersehbar!

  

Ein Highlight waren die Loris auf dem Campingplatz in Lorne, die so frech waren, dass sie uns auf den Esstisch hüpften und die Überreste des Essens inspizierten. Das Toastbrot zerzausten sie komplett, nur um die gesunden Kernchen daraus zu schnabulieren!

  

Und dann war es soweit! Auf der Strasse zum Cape Otway entdeckten wir nach langen drei Wochen unseren ersten Koala im Eukalyptuswald! Dort oben sitzt er!

  

Und plötzlich hatten wir den Dreh raus, während zweier Tage sahen wir Dutzende dieser Knuddelbärchen! Erster Tipp: nicht schneller als 30 km/h fahren! Zweiter Tipp: nach Pelzkugeln in Astgabeln suchen! Dritter Tipp: wo einer ist, sind sicher einige andere mehr!

     

Ein eindrückliches Bauwerk ist der Leuchtturm vom Cape Otway. Er war das erste Zeichen von Land, welches die damaligen Auswanderer nach einer dreimonatigen Seereise wieder sahen! Während des Goldrausches zwischen 1850 und 1860 passierten bis zu 100 Schiffe pro Tag das Kap! In diesen 10 Jahren verdreifachte sich die Einwohnerzahl von Australien!

     

Der Slogan des Bimbi-Campingparks lautet: "Camping under Koalas" und wir lernten, dass man das ruhig wörtlich nehmen darf! Zumindest das holländische Paar gleich neben uns mochte sein Bier nicht mehr richtig geniessen, nachdem die ersten 'Böhnli' hineingefallen waren...
Aber so nahe kommt man diesen Tieren ausserhalb eines Zoos sicher so rasch nicht mehr! Für den 6-jährigen Jason, wie auch für uns, war diese Begegnung bestimmt unvergesslich!

  

Das obligate Touri-Foto von uns vor den 12 Apostel (welche sowieso nur noch 6 sind, die anderen hat das Meer zurückgeholt) darf auch nicht fehlen. Es war übrigens echt schwierig, keine Chinesen mit auf dem Bild zu haben...
Allerdings muss ehrlicherweise auch gesagt werden, dass diese Steinformationen wirklich eindrücklich sind!

Auf dem schönen Rundgang über Griffiths Island vor Port Fairy wurden wir von unserer ersten Begegnung mit einem Wallaby überrascht! Eigentlich hatten wir die bedeutendste Brutstätte der Muttonbirds sehen wollen, eines Zugvogels der jeweils im Oktober aus Sibirien und Alaska hierherzieht, um den Nachwuchs in Erdtunneln aufzuziehen. Sie waren jedoch zu ihrer mehrwöchigen Futtersuche auf dem Meer, weshalb wir nur hunderte frischgegrabener Sandhöhlen bestaunen konnten.

  

Nach drei Wochen Küstenfahrt entschieden wir uns, dem Meer den Rücken zu kehren und in Richtung Norden zum Nationalpark der Grampians zu fahren, einer Gebirgskette, die sich unvermittelt aus der Ebene erhebt.

Leider war uns auch hier Petrus nicht wohlgesonnen, sondern schickte nur Regen, Wolken und Kälte. Die Aussichten die wir geniessen konnten, entsprachen darum nicht ganz den Bildern im Prospekt...
Wir liessen uns dadurch die Laune aber nicht verderben!

     

Nach den Grampians zog es uns wieder ans Wasser, diesmal aber ans Süsswasser des Murray River. Der ol'Murray windet sich über 2500 km aus der Region östlich von Wagga Wagga durch den ganzen Süden des Kontinents. Hier, 550 km vor der Mündung, ist er durchschnittlich 200m breit. Allerdings hängt das stark vom Wasserpegel ab. Dieser kann beeindruckende Höchststände annehmen, wie der Tree of Knowledge in Loxton zeigt.
Bei unserem Besuch war er bescheiden und lag wegen der andauernden Regenfälle nur etwa 1,5 m über dem Normalpegel.

  

Mannum nennt sich 'the World Capital of Houseboating'. Die Hausboote hier erwiesen sich eher als Häuser, denn als Boote! Diese riesen Möbel sind in der Regel 20m lang und 8m breit und zwei bis drei Stockwerke hoch. Zum Steuern genügt ein gültiger Autofahrausweis! Wie die Seilarbeit zeigt, gehen die Aussies auch mit diesem Umstand sehr locker um... no worries!

  

Und wir fanden auch noch eine Schleuse!

Anfangs des 20. Jahrhunderts bestanden Pläne, das ganze Flusssystem für den Warentransport auszubauen. Von den 75 geplanten Hauptschleusen wurden aber nur 15 realisiert. Die rasante Entwicklung des Strassenverkehrs überrollte dieses Projekt wortwörtlich! 
Speziell an den australischen Schleusen ist die Tatsache, dass die Taue zum Festmachen der 'Schiffe' von der Schleuse gestellt werden. Auch gibt es wegen der Betonmauern keine Möglichkeit, von Bord zu gehen. Leider fand sich zum Fototermin kein schwimmendes Haus ein...

  

Nach fast 2 stündiger Fahrt durch schier endlose Getreidefelder, die bis zum Horizont reichten, eröffnete uns ein kleiner Hügelzug ganz plötzlich den Blick auf das grüne Barossa Valley. Hier ist das Herz des australischen Weinbaus, dessen Produkt wir in einer malerischen Winery natürlich auch probieren mussten!
Ein schöner und genussvoller Abschluss unseres ersten Monats down-under!

  

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